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Ortsverband Düren 
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WM Tage in Düren

Die Tage werden von uns unter dem sportlichen Gesichtspunkt gesehen. Die Mannschaft der Elfenbeinküste (Côte d’Ivoire ) hat sich für die WM qualifiziert und die Fans sollen als Gäste in Deutschland freundlich aufgenommen werden!Wir stellen die WM Tage in Düren also nun nicht in Frage.

Gleichwohl darf die aktuelle Situation im Land nicht ausgeblendet werden.
Der schwärmerische und völlig unkritische Text über die Elfenbeinküste auf der Internetseite der Stadt Düren wurde zwar inzwischen nach Protesten wieder entfernt, aber er steht immer noch auf der Seite zu den WM Tagen www.duerener-wm-tage.de.

Fakt ist, dass das Auswärtige Amt derzeit dringend vor Reisen warnt. Im Sicherheitshinweis des AA heißt es:

Stand: 31.03.2006, unverändert gültig seit: 17.01.2006

Seit dem 16.01.2006 Straßensperren und Protestaktionen der Jungen Patrioten in der Hauptstadt Abidjan sowie in mehreren Städten des regierungskontrollierten Südens, u.a. Yamoussoukro, San Pedro, Gagnoa, Daloa, Guiglo.
Von Reisen in die Côte d’Ivoire wird dringend abgeraten!
Absolut unaufschiebbare Reisen (z.B. im öffentlichen Auftrag) nach Abidjan und in den regierungskontrollierten Süden des Landes sollten nur nach vorheriger Kontaktaufnahme mit der Botschaft Abidjan geplant und angetreten werden. Es wird darauf hingewiesen, dass die Zufahrtsstraßen von Abidjan sowie weiterer größerer Städte im Süden des Landes von 22.00 Uhr abends bis 06.00 Uhr früh für ein- und ausgehenden Verkehr gesperrt sind.
Reiseziele in bzw. in die Nähe der Vertrauenszone (Zone de Confiance), die das Land etwa in der Mitte von Ost nach West durchzieht, sowie Fahrten in die unter Militärverwaltung gestellten Distrikte Duékoué, Guiglo, Toulepleu und Blolequin im Westen des Landes unterliegen einer besonderen Gefährdung.
Vor Reisen in den Nordteil der Côte d’Ivoire, der von den aus der Rebellion hervorgegangenen "Forces Nouvelles" kontrolliert wird, wird gewarnt.
Die Gefahr eines erneuten Ausbruchs bewaffneter Auseinandersetzungen, bei denen insbesondere auch westliche Ausländer gefährdet sein könnten, besteht im gesamten Landesgebiet, einschließlich Abidjan, fort.
Amnesty International berichtet im Netz sehr kritisch über die Situation vor Ort. Es gibt zahlreiche Menschenrechtsverstöße und immer noch bürgerkriegsähnliche Zustände:
amnesty.de

Diese Fakten sollten nicht unberücksichtigt bleiben!
Eine Reise der Dürener Delegation an die Elfenbeinküste halten wir deshalb für unpassend und sachlich auch unnötig.

In der Fraktionssitzung am 3.4. haben wir einstimmig folgenden offenen Brief an den Bürgermeister beschlossen:

Offener Brief an den Bürgermeister

Sehr geehrter Herr Larue!

Sie wollen als offizieller Vertreter der Stadt Düren an die Elfenbeinküste fliegen, um wirtschaftliche und partnerschaftliche Kontakte zu knüpfen.

Ihre derzeitigen politischen Gesprächspartner sind nicht durch Wahl legitimiert, da die offizielle Wahl im Oktober 2005 nicht stattfand.
Das Land ist zurzeit zutiefst gespalten und befindet sich in einem bürgerkriegsähnlichen Zustand.

Dass Düren während der Fußball-WM Gastgeber für die Fans aus der Elfenbeinküste sein soll, ist begrüßenswert. Dies beinhaltet nicht die Notwendigkeit einer politischen Reise, für die es keine Legitimation durch den Stadtrat gibt!

Daher fordert die Fraktion von Bündnis 90/ Die Grünen Sie auf: Bleiben Sie hier!

Mit freundlichen Grüßen

Verena Schloemer
Bruno Voß

Carmen Heller Macherey schrieb folgenden Leserinnenbrief zu den Diskussionen über die Reise an die Elfenbeinküste:

Es ist ja schon irre, wie eine gute Idee eines Dürener Unternehmers nun so langsam in eine Provinzposse ausartet.
Am Anfang stand die Idee, vor dem Rathaus eine Großleinwand aufzubauen. Dann eröffnete sich die Möglichkeit, das Düren Gastgeber für die Fans der Elfenbeinküste wird und man gemeinsam die WM feiert. Dazu ein entsprechendes Rahmenprogramm angedacht - und die Planungen konnten weitergehen.
Nun muss man natürlich zu den Verantwortlichen der Elfenbeinküste Kontakt aufnehmen, um die Reise, den Transport zu den Spielen und die Unterbringung vorzubereiten.
Daraus folgte dann, dass eine Kommission von der Elfenbeinküste nach Düren kam und natürlich auch von der Politik und der Verwaltung empfangen wurde.

Anscheinend hat man sich dabei als Gastgeber so gut präsentiert und die Menschen von der Elfenbeinküste fühlten sich hier so wohl, dass sie spontan eine Einladung in ihr Land aussprachen.

Es ging noch immer um Fußball und um das gemeinsame Erlebnis der Fans.

Jetzt kommt der Haken an der Sache.
Die Elfenbeinküste ist nun mal ein Land, in dem bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen.
Das Auswärtige Amt warnt ausdrücklich vor Reisen in dieses Land. Amnesty und UNICEF prangern mit Recht die Menschenrechtsverletzungen, die Haltung von Kindersklaven und den Einsatz von Kindersoldaten an.

Ist es nun ein Gebot der Gastfreundschaft, dass der Bürgermeister und der CDU- Fraktionsvorsitzende die Einladung annehmen? Oder sollte man sich darauf besinnen, was eigentlich geplant war - noch immer geht es um das Fußballfest auf dem Rathausvorplatz.

Jetzt steigern sich die Kuriositäten. Im Internet findet man einen Kurzbericht über die Elfenbeinküste, der in jedem Menschen die Reiselust weckt, der aber leider nicht der politischen Realität in diesem Land entspricht.
Die SPD in Düren hat bis vor 3 Tagen noch nichts von Menschenrechtsverletzungen gewusst und Herr Esser outet sich als Friedensstifter, der zur Elfenbeinküste fliegen will um die Einhaltung der Menschenrechte zu fordern. Nun folgt der überflüssige Streit: Reisen oder nicht.

Natürlich sollte keine offizielle Delegation aus der Politik dorthin fliegen. Hallo ,- es geht noch immer um Fußball! Um ein solches Fest vorzubereiten, müssen keine Dürener Politiker Gespräche mit nicht durch Wahlen legitimierten Regierungsvertretern führen.
Es war auch nie die Rede von Partnerschaften und sonstigem, sondern es ging um Fußball!!!
Jetzt sollte man etwas die Luft rauslassen, mal tief durchatmen und die Energie in die Vorbereitungen vor Ort stecken. Damit wir alle im Juni schöne WM Tage feiern können.
Zum Schluss ist vielleicht noch eine Frage gestattet: Man stelle sich vor wir wären die Gastgeber der iranischen Fans, wäre Herr Esser dann auch ohne Bedenken in den Iran geflogen und hätte versucht die dortige Regierung von ihrem Atomprogramm abzubringen?



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