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Ortsverband Düren 
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Bioabfallvergärung (Febr.08)

Bündnis 90/DIE GRÜNEN Kreisverbände Aachen-Stadt, Aachen-Land und Düren


Strom und Wärme durch Bio- und Grünabfallvergärung –
ein Konzept für den Zweckverband Entsorgungsregion West (ZEW)


1.) Strom und Wärme aus Biogas

Die Strom- und Wärmeproduktion in Biogasanlagen ist eine etablierte Technologie. Hierzulande wird sie hauptsächlich in Zusammenhang mit der Landwirtschaft genutzt. Aus organischen Abfallprodukten der Landwirtschaft (z. B. Gülle) und/oder Nachwachsenden Rohstoffen (NaWaRos, z. B. Mais) wird mit Hilfe von Mikroorganismen das sog. „Biogas“ (chemisch ein Gasgemisch, das ganz überwiegend Methan – CH4 enthält). Aus diesem Gas wiederum wird in kleinen Blockheizkraftwerken (BHKW) Strom und Wärme erzeugt. Biogasanlagen haben als Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen Wirkungsgrade von bis zu 90% .Dem gegenüber erreiche Atom- und Kohlekraftwerk nur Wirkungsgrade zwischen 35 % und 45 %. In Deutschland gibt es derzeit etwa 3.800 Biogasanlagen (davon etwa 350 in NRW). Der Anteil von Biomasse und Biogas an der Stromerzeugung liegt aktuell bei ca. 3 %.

Für diese klimafreundliche Form der Energieerzeugung eigenen sich jedoch nicht nur Abfallprodukte und NaWaRos aus der Landwirtschaft, sondern auch der kommunal eingesammelt Bio- und Grünabfall. Der nach der Biogaserzeugung verbleibende Gärrest kann wie bei den bekannten herkömmlichen Kompostierungsanlagen auch als umweltfreundlicher Dünger zur Bodenverbesserung eingesetzt werden – dadurch wird Kunstdünger ersetzt.

2.) Derzeitiger Stand der Bio- und Grünabfallverwertung im ZEW

Im Verbandsgebiet des ZEW (Kreise Aachen und Düren sowie Stadt Aachen) wurden im Jahr 2006 durch die Kommunen insgesamt 67.722 Tonnen Bioabfälle und 38.039 Tonnen Grünabfalle eingesammelt. Dieses Material wird im Verbandsgebiet des ZEW bisher in drei Anlagen in Aachen-Brand (Betreiberin: Fa. gabco GmbH), Würselen und Alsdorf-Warden (Betreiberin beider Anlagen: AWA GmbH) zu Kompost verarbeitet.
Große Mengen werden außerdem aus dem Verbandsgebiet des ZEW heraus zu einer Kompostanlage in Erftstadt (Betreiberin: Reterra GmbH –gehört zur Remondis-Gruppe) transportiert und dort verarbeitet. Der ZEW hat entsprechende Verträge mit den Betreiberin Reterra GmbH. Kleinere Mengen gehen aus dem Verbandsgebiet des ZEW bei Überlastung der genannten Anlagen auch zur Kompostierungsanlage in Köln-Niehl (Betreiberin: Verwertungsgesellschaft der Stadt Köln) und in eine Anlage in Belgien. Allen diesen Anlagen ist gemeinsam, dass es sich um sog. „Rotteanlagen“ handelt, bei denen die Bio- und Grünabfälle zwar durch Mikroorganismen zu im Gartenbau verwendbaren Kompost zersetzt werden. Die dabei entstehende Energie geht jedoch nutzlos verloren. Entstehendes CO2 und Methan belasten unnötig das Klima.

3.) Bio- und Grünabfallverwertung im ZEW ist verbesserungsbedürftig

Die derzeit im ZEW-Verbandsgebiet stattfindende Bio- und Grünabfallverwertung ist aus folgenden Gründen verbesserungsbedürftig:
Keine Produktion von klimafreundlichem Strom und Wärme
Keine Einnahmen aus Strom- und Wärmeabsatz
Zum Teil lange Transportwege nach Erftstadt (und sogar Köln!)
Kostenvorteile werden nicht genutzt. Die herkömmliche Verwertung von Biomüll ist zwar wesentlich billiger als die Müllverbrennung (derzeit 50 – 60 € pro Tonne statt ca. 160 € pro Tonne bei der Müllverbrennung. Durch Biogaserzeugung ließen sich die Kosten aber nochmals drastisch senken.
Da in 2009 ohnehin Verträge des ZEW mit den Betreibern dieser Kompostlagen auslaufen, stehen aktuell in jedem Fall Überlegungen für eine Neuausrichtung der Bio- und Grünabfallverwertung an.

4.) Bio- und Grünabfallvergärung – klimafreundlich, ressourcenschonend und wirtschaftlich

In NRW sind derzeit fünf kommunale Vergärungsanlagen in Mülheim, Lindlar, Münster, Herten und Lemgo in Betrieb, die aus kommunalen Bio- und Grünabfällen Strom und Wärme erzeugen.
Es gibt gute Argumente für den Einstieg auch des ZEW in die Biomüllvergärung:
Aus einer Tonne Bioabfall lassen sich durchschnittlich 130 m3, aus einer Tonne Grünabfälle durchschnittlich 50 m3 Biogas erzeugen. Aus jedem m3 Biogas können 6 kWh Energie, davon mit gängigen BHKW 2 kWh elektrischen Stroms und 4 kWh Wärme erzeugt werden.
Legt man die im ZEW in 2006 angefallenen Mengen Bioabfall (67.722 Tonnen) und Grünabfall (38.039 Tonnen) zugrunde, so könnten daraus insgesamt etwa 10,7 Mio. m3 Biogas erzeugt werden. Bei entsprechender Nutzung in Blockheizkraftwerken sind damit 21,4 Mio. kWh Strom und 42,8 Mio. kWh Wärme produzierbar.
Der so erzeugte, klimafreundliche Strom, der – da Gas speicherbar ist – auch verbrauchsabhängig produziert werden kann, sichert die Versorgung von mehr als 24.000 Menschen (6.000 Durchschnittshaushalte zu 4 Personen, 3.500 kWh Jahresverbrauch). Die mögliche Wärmeproduktion entspricht dem Bedarf von etwa 2.000 Haushalten.


Auch wirtschaftlich rechnet das Vergärungskonzept. Den zu erwartenden Anlagen- und Betriebskosten in Höhe von 60 € je Tonne Bio-/Grünabfall stehen folgende Einnahmen gegenüber:
Die Stromerzeugung aus Biomasse wird mit 8,42 Cent/kWh vergütet (nach dem gültigen Erneuerbaren-Energien-Gesetz – EEG, für Anlagen 500 kW bis 5 MW, Inbetriebnahme 2008) und würde bei o. g. Gasertrag eine Einnahme von etwa 1,8 Mio. € erbringen. Das sind 17 € je Tonne verwerteter Bio-/Grünabfall.
Hinzu kommen Einnahmen aus dem Absatz der erzeugten Wärme, deren Höhe vom Standort des BHKW abhängig und deshalb kaum zu kalkulieren ist sowie ein Bonus nach dem EEG im Falle eines Betriebs als KWK-Anlage.
Allein die Stromproduktion verringert die Kosten der Vergärung (Erfahrungswert aus anderen Anlagen: ca. 60 €/Tonne) um 17 €/Tonne auf 43 €/Tonne und ist damit deutlich günstiger als die bisher betriebene Biomüllkompostierung (50 bis 60 €/Tonne) und fast so günstig wie die bisherige Grünabfallverwertung (35 bis 40 €/Tonne). Ein möglicher Absatz der Wärme verbessert die Wirtschaftlichkeit weiter.
Wirtschaftlich noch interessanter könnte die Einseisung des Biogases in das Erdgasnetz sein. Erdgas wird derzeit für über 50 Cent pro m3 an private Endkunden verkauft. Ließe sich nur die Hälfte davon (25 Cent/m3) durch die Gaseinspeisung erlösen, erbrächte die Vergärung des Bio- und Grünabfalls im ZEW allein hierdurch eine jährliche Einnahme in Höhe von ca. 2,7 Mio. €. Der Realisierung eines solchen Konzepts stehen allerdings derzeit noch die Interessen der Monopol - Energiekonzerne entgegen.

5.) Einstieg in die Vergärung mit zunächst drei Standorten

Aufgrund der ohnehin erforderlichen Neukonzeptionierung der Bio- und Grünabfallverwertung im ZEW (Auslaufen der vorhandenen Verträge) schlagen die GRÜNEN die Errichtung von Vergärungsanlagen im Verbandsgebiet vor. Ziel dabei ist, mittelfristig möglichst den gesamten, im ZEW anfallenden Bio- und Grünabfall in bis zu sechs dezentralen Anlagen zu vergären. Damit sollen auch unnötige Transporte - und erst recht solche nach Erftstadt und Köln - vermieden werden.
In einem ersten Schritt bietet sich die Errichtung von drei Anlagen an heute bereits von ZEW/AWA abfallwirtschaftlich genutzten Standorten an:

a)    ELC Alsdorf-Warden
b)    ELC Hürgenwald-Horm
c)    Kompostanlage Würselen

Alle drei Standorte befinden sich im Eigentum von ZEW/AWA und werden bereits seit langer Zeit abfallwirtschaftlich genutzt.

Zu a) An diesem Standort wird schon heute eine Kompostierungsanlage betrieben, die für die Vergärung aus- und umgebaut werden könnte. Zur Verwertung des aus der stillgelegten Deponie Warden austretenden Deponiegases ist bereits heute ein BHKW in Betrieb. Aufgrund abnehmender Deponiegasmengen besteht die Perspektive, dieses BHKW auch für das Biogas aus der Vergärung mitzunutzen. In der unmittelbarer Nähe gibt es potentielle Wärmeabnehmer (z. B. Aldi-Logiskzentrum), was diesen Standort besonders interessant macht.

Zu b) Die vorhandene Infrastruktur der stillgelegten Mechanisch-Biologischen Restmüllhandlungsanlage (MBA) kann für eine Vergärungsanlage genutzt werden. Wie in Alsdorf-Warden bietet ein auch hier vorhandenes BHKW zur Verwertung des austretenden Deponiegases aus der stillgelegten Deponie Horm die Möglichkeit der Mitnutzung von erzeugtem Biogas. Bei in der Umgebung befindlichen Industrie- und Gewerbebetrieben sind eventuell Absatzmöglichkeiten für Wärme vorhanden.

Zu c) An diesem Standort wird schon heute eine Kompostanlage betrieben, die für die Vergärung aus- und umgebaut werden könnte. Mit einem Jahresdurchsatz von jeweils 20.000 Tonnen an diesen drei Standorten ist damit die Verwertung knapp Zweidrittel des gesamten Bio- und Grünabfallaufkommens im ZEW gesichert. An jedem Standort muss neben der eigentlichen Vergärungsanlage eine installierte elektrische BHKW-Leistung von 1,5 MW vorhanden sein.
Über diese drei Standorte hinaus ist zu prüfen, welche weiteren Standorte im Verbandsgebiet des ZEW für Vergärungsanlagen in Frage kommen. Optimal wären solche Standorte, die bereits eine für diesen Zweck nutzbare Infrastruktur und Wärmeabnehmer in der Nähe aufweisen.

6) Perspektiven für die Städteregion und den Kreis Düren

Müllgebühren senken
Umweltfreundlich und CO-2 neutral Energie erzeugen
Beitrag zum Ausstieg aus Atomkraft und Kohle
Bioabfall: wertvoller Rohstoff
Alle Kommunen müssen Biomüll und Grünabfälle getrennt erfassen
Vorbild für andere Regionen – bundesweites Potenzial



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