Elektroautos- die Lösung? (Aug.2010)
| Der Boom der Elektromobilität sollte nicht unkritisch gesehen werden. Während der Recherche für einen Artikel zu diesem Thema stieß ich auf einen Text, der das Thema so gut darstellt, dass ich gar keinen eigenen Text mehr schreiben musste. Ich lade Sie ein, die aufgezeigten Aspekte einmal zu überdenken! Georg Schmitz, Grüne Düren Mobilität aus der Steckdose? Enrgiekonzerne und Autobauer setzen nun auf Elektroautos. Das reicht aber nicht, um unseren Verkehr umweltverträglicher zu gestalten Der Straßenverkehr ist in der Europäischen Union für ein Drittel aller CO2-Emissionen verantwortlich. Schlimmer noch: Die Emissionen von Privatfahrzeugen und LKW's haben seit 1990 um mehr als ein Drittel zugenommen, während sie in der Industrie oder durch die Wärmedämmung bei den Häusern im selben Zeitraum um etwa zehn Prozent reduziert werden konnten. Der Verkehr frisst also doppelt und dreifach das auf, was in anderen Sektoren mit Milliarden-Investitionen unserer Steuergelder eingespart wurde. Diese Zahlen sprechen für eine radikale Wende in der Verkehrspolitik. Nach der - trügerischen - Hoffnung auf Agro-Sprit setzen jetzt viele auf das Elektro-Auto, das ohne Zweifel beim Fahren emissionsfrei ist. Doch ob die Umweltbilanz - und dazu gehört die gesamte Kette von der Produktion über die Nutzung bis hin zum Verschrotten und/oder recyceln - wirklich besser ist, hängt entscheidend von der Stromquelle ab. Ideal wären erneuerbare Energien. Doch die reichen nicht einmal ansatzweise für den bisherigen Stromverbrauch. In Frankreich ist der Hype ums E-Car eng verbunden mit den Interessen der Atom-Lobby. Aber auch anderswo zeigt sich: Bei den E-Cars vereinen sich zwei Lobbies, die angesichts der Bedrohung des Klimawandels um ihre Pfründe fürchten: die Energie-Konzerne und die Auto-Bauer. Gerade für letztere ist es die einfachste Lösung, allein den Antrieb zu ändern. Und vielen Konsumenten erscheint die Vorstellung attraktiv, einfach nur auf ein ökologisch verträglicheres Fortbewegungsmittel umzusatteln, anstatt den eigenen automobilen Lebensstil zumindest teilweise überdenken zu müssen. Doch so einfach ist ein umweltverträglicher Verkehr der Zukunft nicht zu haben. Noch ist das E-Car auch kaum konkurrenzfähig - allein schon, weil es im Augenblick 20 000 bis 30 000 Euro mehr kostet als eines, das einen Verbrennungsmotor besitzt. Von Nachteil sind auch die schweren Batterien und die begrenzten Strecken, die sich damit zurück legen lassen. Zum Vergleich: Mit 60 Liter Diesel fährt ein neuer Pkw rund 800 Kilometer. Derzeit kommen E-Autos bestenfalls 150 Kilometer weit - mit einer Batterie, die um die 230 Kilogramm wiegt! Trotz vieler ungelöster Probleme will Deutschland bis 2020 eine Million E-Cars auf den Straßen haben. Angesichts von knapp 50 Millionen Fahrzeugen im Lande dürfte der Beitrag dieser milliardenschwer subventionierten Maßnahme kaum zur Reduzierung der Emissionen beitragen. Schauen wir über Europas Grenzen hinweg, werden die Dimensionen noch deutlicher. In den letzten fünf Jahren hat sich die Anzahl der Autos in Asien verdoppelt. China geht davon aus, dass es jedes Jahr sieben Millionen Autos mehr werden. Würde es die Auto-Dichte Deutschlands erreichen, gäbe es dort 600 Millionen Autos - so viele gibt es heute weltweit. Wenn die Chinesen nur annähernd soviel Auto fahren wie wir, fährt morgen niemand mehr - weil es nicht genug Öl, Lithium für die Batterien, und nicht genug Stahl gibt - und noch viel weniger Platz. Natürlich kann der elektrische Antrieb von ökologischem Nutzen sein - für Schienenfahrzeuge, Straßenbahnen und E-Bikes. Für Autos ist nur dann ein positiver Effekt für die Umwelt zu erwarten, wenn deren Zahl radikal reduziert wird. Denn eine ökologisch verträgliche Antriebsart allein macht das Auto noch nicht zu einem zu einem klimafreundlichen Verkehrsmittel. Aufgrund seiner kurzen Reichweite stellt das E-Car vor allem eine Konkurrenz zum umweltfreundlichen Verkehr via Bus, Bahn und Fahrrad dar. Gerade in den Städten ist das Auto im wahrsten Sinne des Wortes der Motor, der die Verschlechterung der Lebensqualität vorantreibt. Deshalb brauchen wir dort keine neue, automobile Konkurrenz zu den automobilen Kurzstrecken-Vehikeln. Sondern eine Alternative zum flächenfressenden Automobil - unabhängig von dessen Antrieb. Die Emissionen sind nämlich nur eins von fünf Problemen, welche die Automobilität mit sich bringt. Gerade in dichtbesiedelten Regionen gehört dazu der gesundheitsschädliche Lärm, der durch die Geschwindigkeit sowie den Reifen- und Straßenbelag beeinflusst wird. Zweitens die Zahl der Unfälle, bei denen jedes Jahr in der EU fast 40000 Menschen sterben. Drittens frisst der Autoverkehr immer mehr Raum. Aus diesem Grund verschwinden in Deutschland jeden Tag 117 ha (!) unter Beton und Asphalt, was sich durch den Einsatz von E-Cars nicht im Geringsten ändern würde. Schließlich bleiben viertens die Kosten: Jedes Auto wird pro Jahr mit 3000 Euro vom Steuerzahler subventioniert, wenn man die Arbeitsausfall-, Invaliditäts- und Krankheitskosten mit eiinberechnet. Die Klimakosten wurden dabei noch nicht einmal berücksichtigt. Und für diesen Betrag kommt zahlt jeder Steuerzahler, selbst wenn er kein Auto besitzt. Es ist und bleibt ein Skandal, dass der umweltfreundliche Verkehr in Deutschland politisch verteuert, der umweltschädliche dagegen künstlich verbilligt wird. Um die selbst gesetzten Klimaschutzziele zu erreichen, braucht es grundlegende Veränderungen im Verkehrssektor. Durch E-Cars könnte es sicherlich zu einer Verbesserung der Speichertechnologie kommen. Die Königliche Akademie der Wissenschaften in Großbritannien hat errechnet, dass der Strombedarf auf der Insel dann aber trotzdem um 16 Prozent steigen würde. Es ist zu befürchten, dass Großbritannien, das mit der Atomenergie liebäugelt, dafür sechs neue Atomkraftwerke bauen würde. Eine radikale Verkehrswende ist nötig. Mancherorts findet sie bereits statt: London und Stockholm haben per City-Maut das Auto de facto zum unerwünschten Fahrzeug in ihren Innenstädten erklärt. Der Fahrradverkehr dagegen steigt allerorten, von Berlin bis Kopenhagen. In den deutschen Städten betragen ohnehin 90 Prozent aller Autofahrten weniger als sechs km: Das sind Entfernungen, die bestens geeignet sind, um umzusteigen auf Bus, Bahn, Rad und Zu-Fuß-Gehen. Das sind Ansätze fürzu einer zukünftigen Mobilität, die das Klima schützt. MICHAEL CRAMER http://www.michael-cramer.eu/ Der Verkehrsexperte Michael Cramer ist Mitglied des Europäischen Parlaments und verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion. Er lebt in Berlin und Brüssel 18.08.2010: Die VCD Umwelt-Autoliste 2010 ist veröffentlicht! Erstaunt es Sie? Auch in der aktuellen VCD-Auto-Umweltliste 2010/2011 geben Hybridautos den Ton an. Toyota holt sich mit dem Auris und dem Prius Hybrid einen Doppelsieg. Wo sind die Elektroautos? Bis 2020 sollen nach Plänen der Bundesregierung und der Autoindustrie eine Million Elektroautos auf unseren Straßen fahren. Fakt ist: In diesem Jahr hat noch keiner der großen Autohersteller ein Elektroauto verkauft. Mittelfristig wird der Verbrennungsmotor der bestimmende Antrieb bleiben und der Hybridantrieb zunehmend an Bedeutung gewinnen. Hier muss angesetzt werden, um den Autoverkehr klimaverträglicher zu gestalten. Wir brauchen kleine, leichte und effiziente Fahrzeuge. Welche das sind, zeigt auch in diesem Jahr wieder die VCD Auto-Umweltliste. VCD-Autoexperte Gerd Lottsiepen: „Wenn Deutschland seine Klimaziele erreichen will, ist es nicht allein damit getan, möglichst sparsame Autos zu kaufen. Wir müssen Mobilität anders gestalten. Dazu gehören niedrigere Geschwindigkeiten ebenso wie die Stärkung von Alternativen zum eigenen Auto. Von diesen veränderten Rahmenbedingungen wird auch die Elektromobilität profitieren. Das Elektroauto muss seine Alltagstauglichkeit in Fahrzeugflotten beweisen, als universelles Familienauto ist es auf absehbare Zeit nicht geeignet.“ Mehr dazu: www.vcd.org
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