Kreistagsfraktion Düren   
  Home
  Aktuelles
  Termine
  Grundsätze
  Leute &
   Gremien

  Presse
  Anträge
  Links
  Kontakt

  
    Antrag zum Umwelt- und Landschaftspflegeausschuss am 10.7.03

    Sehr geehrter Herr Weingartz,

    zur Sitzung des Umweltausschusses am 10.7. 2003 stellt die Fraktion Bündnis90/DIE GRÜNEN die folgenden zwei Anträge:

    Antrag A

    Die Verwaltung wird beauftragt, eine Expertenanhörung zu veranstalten zu dem Thema:
    "Mögliche radioaktive Belastungen der Staubniederschläge aus den Braunkohle - Tagebauen Hambach und Inden sowie daraus resultierende Auswirkungen auf die Gesundheit der Anwohner und Bergbautätigen"

    Zur Erörterung der jüngst bekannt gewordenen Verdachtsmomente und eventuell notwendiger Folgemaßnahmen sollten mehrere Fachleute mit unterschiedlicher Expertise eingeladen werden, um der Komplexität der Problematik gerecht zu werden. Wir schlagen vor, einzuladen:

    • einen Strahlenschutzexperten des Forschungszentrums Jülich, z. B. Hrn. Dr. Biehl,
    • einen Vertreter des vom Bergamt Düren mit Staubmessungen beauftragten Umweltinstituts,
    • einen Vertreter des Landesumweltamts NRW,
    • einen Vertreter des Bundesamts für Strahlenschutz,
    • einen Experten für gesundheitliche Wirkungen natürlicher Alpha-Strahlung, z. B. Prof. Kuni, Uni Marburg.

    Dabei sollten insbesondere folgende Fragen erörtert werden:

    1. Inwieweit erfassen die vom Bergamt in Auftrag gegebenen Staubmessungen (mittels Auffanggefäßen) die Anteile von Feinststaub bzw. Kohle-Aerosolen?
      Was ist über die Aerosol-Emissionen anderer Tagebaue aus Messungen bereits bekannt?
      Sind jemals spezielle Aerosolmessungen in Hambach und Inden durchgeführt worden?
      Wie groß ist der Anteil an lungengängigen Feinststäuben?
    2. Ist insbesondere die Alpha - Radioaktivität der Tagebau-Staubniederschläge durch Bundes- oder Landesämter - z. B. gemäß den Verpflichtungen durch das Strahlenschutzvorsorgegesetz - bereits gemessen worden und wenn ja, mit welchem Ergebnis? Gibt es Messungen speziell an den Feinststäuben?
    3. Gibt es Erkenntnisse über die Art der staubbedingten Strahlung, über die Dosisleistungen und insbesondere über die Verteilung der radioaktiven Zerfallsprodukte?
    4. Sind innerhalb der Tagebaue und im Umgebungsbereich sowie an den Sümpfungswässern Messungen der Radonkonzentration durchgeführt worden und ggf. mit welchem Ergebnis?
    5. Inwieweit kann die wissenschaftlich bekannte Anlagerung von Radon - Zerfallsprodukten an Stäube bzw. Aerosole zu Anreicherungseffekten führen und damit für die Anwohner im Tagebaubereich eine erhöhte Alpha-Strahlungsbelastung (z. B. durch Einatmen oder über die Nahrungskette) zur Folge haben?

    Begründung zu A:

    Seit zwei Informationsveranstaltungen einer Ellener Bürgergemeinschaft über mögliche radioaktive Belastung der Braunkohlenfeinstäube sind die Tagebau - Anwohner erheblich beunruhigt. Während die erste Veranstaltung noch auf mündlichen Hinweisen basierte, lagen bei der zweiten Veranstaltung bereits vorläufige, privat initiierte Messungen des FZJ vor, welche den Verdacht auf Grenzwert-Überschreitungen erhärten.

    Angesichts einer  möglichen Gesundheitsgefährdung der Anwohner der beiden Tagebaue auf Kreisgebiet sollten sich Umweltausschuss und Kreisverwaltung umgehend um eine fachkompetente  Einschätzung der möglichen Gefährdungslage bemühen. Dazu gehört in einem ersten Schritt, mit Experten die bisher bekannten Fakten aufzuarbeiten. Darüber hinaus ist eine Diskussion notwendig, inwieweit durch großflächige Aufwirbelung absorbierender Feinststaubpartikel in Verbindung mit Radonfreisetzung Anreicherungseffekte entstehen können, die zu radioaktiven Grenzwertüberschreitungen führen.

    Antrag B

    Die Verwaltung wird beauftragt, ein Messprogramm durchzuführen, das nach seinem Abschluss die eindeutige Beantwortung der Frage erlaubt, ob für Tagebauanwohner und - Beschäftigte in ihrer lebenslang kumulierten Strahlungsdosis unzulässige hohe Werte (insbesondere Alpha-Strahlen) erreicht werden.

    Unverzichtbar erscheinen dabei Messungen

    • der Konzentration und der Transportraten von Feinststäuben und Aerosolen rings um die Tagebaue in Abhängigkeit von Wind und sonstigen Wetterverhältnissen;
    • der Strahlung und Nuklidverteilung der emittierten Grob- und Feinststäube in Abhängigkeit von Partikelgröße und Wetterverhältnissen;
    • der Radonkonzentration und des Radonaustritts innerhalb der Tagebau-Gruben sowie an Sümpfungswässern in orts- und zeitaufgelöster Form;
    • der Inkorporation von natürlichen Zerfallsnukliden in Blut, Geweben, Organen, etc. an ausgewählten Tagebau - Anwohnern über lange Zeiträume (Biomonitoring).

    Darüberhinaus sollte die Experten-Anhörung und spätere Erörterungen wichtige Hinweise geben, welche Messungen zusätzlich geeignet sind, mögliche Gesundheitsgefahren zu quantifizieren.

    Begründung zu B

    Nach Auffassung von Fraktion Bündnis90/DIE GRÜNEN resultiert aus den bisher bekannt gewordenen Ergebnissen / Erkenntnissen ein ausreichender Anfangsverdacht, um die Frage nach möglichen radioaktiven Grenzwertüberschreitungen und resultierenden Gesundheitsgefahren im Einwirkungsbereich der Tagebau-Stäube dringend auf eine objektive Grundlage zu stellen. Die Bejahung oder Verneinung solcher Gefahren kann nur mittels langfristiger Messungen erfolgen.



    zurück zur Übersicht


 realized by:
 www.eifel-media.de
Bündnis 90 / Die Grünen - Kreistagsfraktion in Düren, Kreishaus, 52349 Düren
Telefon: 02421/222421, Fax: 02421/222026 E-Mail: fraktion@gruene-dueren.de