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    Offener Brief an Landrat Spelthahn - Thema: Burgfestspiele

    Mittwoch, 6. Juni 2001

    Sehr geehrter Herr Landrat,

    im Namen der Fraktion Bündnis 90 / DIE GRÜNEN erlaube ich mir, einige Bemerkungen zum Thema "Burgfestspiele Nideggen" an Sie zu richten.

    Es ist gut, dass Sie als Landrat des Kreises Düren die Idee von kulturell anspruchsvollen Festspielen auf dem Gelände der Burg Nideggen aufgegriffen haben. Mit dem Kulturmanager Norbert Stockheim als Festspielleiter haben Sie darüber hinaus einen Menschen gewinnen können, der in jeder Hinsicht entscheidende Fähigkeiten und Qualifikationen für die Realisierung einer solchen Veranstaltung mitbringt.

    Umso unverständlicher ist es, dass Sie die geplanten Burgfestspiele über Monate unter einen Schleier von systematischer Intransparenz gelegt haben. Fragen im Kreis- und im Kulturausschuss wurden ignoriert oder und mit wenig sachlichen Bemerkungen abqualifiziert. Dabei konnte man den Eindruck gewinnen, dass die zuständige Fachverwaltung genauso wenig über das Projekt informiert war wie die Politik.

    Es geht nicht nur um die demokratisch verankerten Beteiligungsrechte des Kreistages, sondern auch um breite Akzeptanz, die für den Erfolg des Projekts Burgfestspiele unbestreitbar wichtig ist. Die Verankerung als jährlich wiederkehrendes, kulturelles Großereignis - und so ist es ja wohl gedacht - ist eine kulturpolitische Grundsatzentscheidung und sollte entsprechend diskutiert und entschieden werden. Schließlich werden hier allein in diesem Jahr öffentliche Geldmittel in nicht unbeträchtlichen Umfang (200.000 DM Steuergelder und Mittel der Sparkasse Düren plus Ausfallrisiken) gebunden, die selbstverständlich an anderer Stelle nicht mehr zur Verfügung stehen können.

    Indem Sie den breiten Konsens bewusst nicht gesucht haben, haben Sie dem Projekt möglicherweise langfristig einen Bärendienst erwiesen. So kann ein standfestes Island-Tief im August/September den Kritikern ihrer "Mega-Event-Kultur" die nötigen Argumente liefern und dem Projekt schon im Jahre eins für immer den Garaus machen - mangels Konsensbildung. Und das wäre nicht nur schade für die Projektidee und Herrn Stockheim, sondern auch für die Tourismus- und Wirtschaftsförderung im Südkreis.

    Sie haben vollkommen recht, wenn Sie sagen, die Politik müsse für geeignete Rahmenbedingungen sorgen, damit kreative Menschen darin arbeiten können. Nur ist es ein falscher Weg, wenn diese scheinbar geeigneten Rahmenbedingungen ohne Rückkopplung und Transparenz im Büro des Landrates vorbereitet, beschlossen und umgesetzt werden. Nur noch befremdlich ist es, wenn Sie gegenüber der Presse von "Aufgeregtheiten im Vorfeld wegen mangelnder Mitsprache einzelner politischer Gremien" (Dürener Zeitung 16.05.01) sprechen. Sie disqualifizieren damit die Menschen, die sich ehrenamtlich im Kulturausschuss engagieren und zu deren Aufgaben es auch gehört, Fragen zu stellen.

    Persönlich unfair wird es dann, wenn Sie Fragen und Anmerkungen, die Ihnen nicht gefallen, mit der Bemerkung abtun: "Haben Sie vielleicht etwas gegen Herrn Stockheim?" Das gleiche Strickmuster zur Abwehr sachlicher und kritischer Fragen durch die Einbeziehung der persönlichen Integrität von Dritten ist hinreichend aus anderen Politikfällen der letzten Zeit bekannt (Gleichstellungsstelle, Beschäftigungsförderung, Abfallwirtschaft).

    Es geht dabei keineswegs um politische Einmischung in Details der künstlerischen Gestaltung eines solchen Projekts (Spelthahn DZ vom 16.05.01: "Die Politik dürfe einem kompetenten Künstler wie Stockheim nicht vorschreiben, welche Rolle er mit welchen Künstlern besetzen müsse."). Ich kann mir niemanden vorstellen, der das ernsthaft wollte. Es geht vielmehr um den allgemeinen Rahmen. Erst aus der Presse erfuhren die Mitglieder des Kreistags, dass es sich bei den Burgfestspielen nicht um Ritterspiele, Anna-Kimes oder Oper handeln wird. Eine Debatte, ob Festspiele, wie jetzt vorgesehen, auch im Hinblick auf die übrige kommerzielle und nicht-kommerzielle Kultur in der Region angemessen, sinnvoll oder gar notwendig sind, letztlich die Frage, was vom Kreis Düren finanzierte Kultur, auch in Konkurrenz der Angebote untereinander, ausmachen sollte, ist von Ihnen verhindert worden.

    Die Motivlage Ihres Verhaltens zu ergründen, überlasse ich anderen. Wenn Sie aber von unbeabsichtigten Fehlern Ihrerseits in Sachen Burgfestspiele sprechen, so ist das bestenfalls eine Ausrede. Solche Fehler macht man nur einmal, aber nicht über Monate konsequent immer wieder und ganz besonders nicht, wenn man regelmäßig darauf hingewiesen wird. Ihr Verhalten gegenüber dem Kreistag hat leider ganz offensichtlich System, und ich fürchte, die Burgfestspiele waren nicht das letzte Thema, bei dem wir uns in dieser Hinsicht mit Ihnen werden auseinander setzen müssen.

    Obwohl ein fader Beigeschmack bleibt, erwarte ich mit großer Spannung die künstlerischen Darbietungen der Burgfestspiele Nideggen und verbleibe

    mit freundlichen Grüßen

    Oliver Krischer
    -Vorsitzender-



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