Sehr geehrter Herr Landrat, sehr geehrte Damen und Herren !
Eigentlich könnten wir Grünen frohlocken.
Eine kleine Oppositionspartei
wie wir und ein solches Wahlziel nach einem guten Jahr umgesetzt.
Toll!
Nur mit der konkreten Umsetzung können wir wahrlich nicht zufrieden
sein.
Seit über einem Jahr reden wir über die kreisweite Einführung
eines schulpsychologischen Dienstes, um nun eine Dringlichkeitsentscheidung
abzusegnen.
Es stellt sich die Frage: ist dies ein Armutszeugnis für die damit
befassten Mitglieder des Schulausschusses oder ein Zeichen für die Haltung
der Mehrheitsfraktion zum schulpsychologischen Dienst? Ich denke, das letztere
ist der Fall.
Lassen wir kurz die Abläufe Revue passieren.
- Die Verwaltung bat den Schulausschuss Anfang Februar letzten Jahres
um den Auftrag, ein Konzept für einen kreisweiten schulpsychologischen
Dienst zu erstellen.
- Dieses wurde von der CDU abgelehnt mit der Begründung, dass die
CDU ein eigenes Konzept erstellen werde. Es wurde von Ihnen beabsichtigt,
einen schulpsychologischen Dienst in freier Trägerschaft einzurichten.
Mittel in den Haushalt wurden nach langer Diskussion eingestellt, aber hinterher
war alles wieder anders.
- Unabhängig von der Politik bildete sich auf Initiative des damaligen
Sozialdezernenten dieser Verwaltung eine Arbeitsgruppe "Konzeptentwicklung".
Trotz ihrer absoluten Mehrheit schafften Sie es nicht, Frau Natus-Can, dem
Arbeitskreis das von ihnen gewünschte Ergebnis "freie Trägerschaft"
vorzugeben.
- Ende Mai bekamen wir das eindeutige Ergebnis des Arbeitskreises vorgestellt.
- Nur öffentliche Trägerschaft möglich, da es eine öffentliche
Aufgabe ist.
- Bedarf von 8 Psychologen und 2 Verwaltungskräften.
- Schulrat Greuel veranlasste noch vor den Sommerferien eine kreisweite
Erhebung des Bedarfs an allen Schulen. Das Ergebnis untermauerte die Arbeit
des Konzeptentwicklungskreises.
- Kleine Pikanterie am Rande: Nur die CDU-Fraktion war davon in Kenntnis
gesetzt worden. SPD und Grüne erst auf Nachfrage Ende Oktober.
- Ein Fachdiskurs mit Referenten aus anderen schulpsychologischen Diensten
fand Mitte August statt und bestätigte im Ergebnis nur die Aussagen
des Arbeitskreises Konzeptentwicklung und unsere Anträge.
- Am 23.11.2000 empfahl der Schulausschuss dann endlich im Wege eines
Dringlichkeitsbeschlusses die Einrichtung eines kreisweiten schulpsychologischen
Dienstes unter Einbeziehung des bestehenden schulpsychologischen Dienstes
der Stadt Düren zum 01.01.2001 mit 4 Psychologen und einer Verwaltungskraft.
Damit ist der vorsichtig geschätzte Bedarf nur halb gedeckt. In Wirklichkeit
sind dies nur 1,3 neue Psychologenstellen und 0,5 Verwaltungsstellen mehr
einschließlich des Landespsychologen, denn diese Kräfte waren
anderweitig eingesetzt.
- Bereits 1991, als Sie den Dienst abschufen, war der Dienst mit 5 Psychologen,
1,5 Sozialpädagogen und 2 Verwaltungskräften ausgestattet.
- Tatssache ist, dass die Schulpsychologen sich zur Zeit doppelt und dreifach
schlagen müssen, um den Bedarf halbwegs decken zu können. Bereits
jetzt beträgt die Wartezeit drei Monate. Meine sehr verehrten Damen
und Herren, falls Sie ein Problem haben und auf diese Hilfe drei Monate
warten müssen, ist dies ein unerträglicher Zustand.
Hier haben Sie, meine Damen und Herren der CDU ihr wahres Gesicht gezeigt.
Hier, wo es um Bildungs- und Schulpolitik auf Kreisebene geht.
Hier stand und steht es in Ihrer Entscheidung.
Hier konnten Sie etwas für unsere Kinder, betroffenen Familien und
Lehrer tun.
Sie bemängeln nur, stellen Forderungen andererorts und schieben Schuld
und Verantwortung weit weg.
Hier waren Sie gefragt.
Hier sind Sie zuständig.
Das, was Sie mit Ihrer Fraktion hier durchboxen, hat für mich das Aussehen
von Halbherzigkeit und Krämerseele.
Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich kann Ihnen versprechen, wir haben
noch nicht das letzte Mal über den schulpsychologischen Dienst gesprochen.
Danke.